Typiquement
Ich fahre heute in die Stadt. Auf meiner „muss-erledigt-werden-Liste“ stehen drei Dinge:
- Rathaus: seltsame Steuerforderungen klären und abmelden
- Rabobank: Konto auflösen
- MF Uitzendbureau: Arbeitsvertrag kündigen
Ich mache mich also auf den Weg. Fahre am Büro der MF fast vorbei und überlege noch, dort zuerst hin zu fahren. Tue diesen Gedanken ab, ich komme auf dem Rückweg schließlich noch einmal daran vorbei. Der erste Weg führt mich also zum Rathaus. Ein Blick auf die Bauzäune um das Gelände. Ein weiterer auf den kleinen DIN A 4 Zettel an einem Fenster zu dem ich mir erst einen Weg über Bauschutt bahnen muss. Aha. Wegen Umbaumaßnahmen ist das Rathaus auf unbestimmte Zeit im Gemeindehaus untergebracht. Wenn man nur wüsste wo das ist… Vielleicht können sie mir im Touristenbüro weiterhelfen.
Erst einmal geht es weiter zur Rabobank. Nur eine Frau vor mir. Super, ich bekomme hier ja beinahe einen Hitzschlag. 20 Minuten später frage ich mich, ob die Angestellten Schlaftabletten zum Frühstück hatten. Oder zum Mittagessen? Weitere 10 Minuten später kann ich mich davon überzeugen: Ja, hatten sie. Zumindest diese. Nach einer gefühlten halben Stunde existiert mein niederländisches Konto nicht mehr, der Rest wird zur Sparkasse Bielefeld überwiesen und ich verlasse zufrieden die Bank.
Auf zum Touristenbüro. Die freundlich Dame kann mir sofort sagen, wie ich das, zum Rathaus umfunktionierte Gemeindehaus finde. Dort angekommen fallen mir mehrere Polizistinnen auf, die vor der Tür Wache halte. Ich suche meinen Schlüssel aus den Tiefen meiner Tasche (ja, alles was ihr über Frauenhandtaschen gehört oder gelesen habt stimmt!) schließe umständlich das Rad an und quäle mich in der drückenden Hitze die Stufen hinauf. Oben angekommen spricht mich eine der Damen mit den lustigen blauen Hütchen an. Wohin ich wolle. Zum Kaiser von China, haha, blöde Frage. Und warum? Ich erkläre es ihr, mindestens ebenso umständlich wie ich das Fahrrad angeschlossen habe. Es täte ihr leid, aber die Systeme wäre ausgefallen, ich müsse morgen wieder kommen. Mmpf. Das hätte sie ja auch gleich sagen können. -_-
Nun ja, hoffentlich haben die bis morgen ihre Systeme wieder im Griff. Ich fahre jedenfalls wieder los, den letzten Punkt abzuhaken. Meine Sachbearbeiterin ist nicht da. Hätte ich wissen müssen. Sie ist mittwochs immer auf Außendienst. Aber man kann mir trotzdem weiterhelfen. Nein, den Vertrag muss ich nicht kündigen, ich bleibe im System und werde auf „passief“ gestellt. Falls mich also noch mal die Sehnsucht nach den Niederlanden packen sollte und ich Arbeit brauche muss ich nur eben Bescheid sagen. Aber da wären noch das Urlaubsgeld welches mir zusteht. Echt? Ja, das würde nächste Woche dann auf mein Konto überwiesen. Ähm, entschuldigen Sie bitte, dieses Konto existiert seit einer halben Stunde nicht mehr. Ja, das ist ein Problem. Bar auszahlen können sie es nicht und ebenso wenig auf einausländisches Konto überweisen. Arrrg! Es handelt sich immerhin um gut 120€ brutto, also ca. 60-70€ für mich! *in die Tischkante beiß*
Die Moral von der Geschicht: Niemals das Bankkonto auflösen bevor man nicht mit dem Arbeitgeber gesprochen hat. Ich mache mich jetzt auf die Suche nach einem netten Menschen mit niederländischer „Bankrekening“ der als Zwischenperson agiert…

